bild

Mittwoch, 18. April 2012

20.15 Uhr

Glauser

Irrenhaus, Münsingen 1934. Ruhig ist die Nacht und schwarz. Friedrich Glauser kommt aus dem Grübeln nicht heraus. Der Fremden­legionär, Dadaist, Schrift­steller und Morphinist zieht Bilanz seines ver­pfuschten Lebens. Erinnerungs­blitze rufen die Kind­heit in Wien wach, den Vater, der ihn nie verstand, die Mutter, die starb, als er vier Jahre alt war und für die seine Liebe geblieben ist. Wie schillernde Blasen tauchen quälende Momente von damals auf, wachsen, wachsen und wollen nicht zer­platzen. Sie führen ihn an die Wurzeln seines Leidens.
Das Schreiben darüber wird zur weissen Magie und bildet die Brücke zwischen der Anstalt und der Welt draussen. Es ent­stehen Novellen und vor allem Kriminal­romane. In der Person des Wacht­meisters Studer entwirft er eine positive Vater­figur, die ihn berühmt macht.
Als Glauser in die Frei­heit ent­lassen wird, kehrt er der Schweiz den Rücken. Zusammen mit seiner Freundin Berthe Bendel führt er ein rast­loses Leben zwischen dem Atlantik und dem Mittel­meer. Doch je weiter weg er sein Leben neu ein­richten will, umso gnaden­loser holt ihn die eigene Vergangen­heit wieder ein. Er stirbt 42-jährig – einen Tag vor der geplanten Hochzeit.

Der Film von Christoph Kühn mit Zeichnungen von Hannes Binder ist eine magische Entdeckungs­reise zu Friedrich Glauser (1896-1938), dem grossen, zwischen Rebellion und Resignation pendelnden Schrift­steller. Fotos, Texte, Zeichnungen, fiktive Szenen und Interview­passagen sind kunstvoll ver­woben. Sie tauchen Glauser, bei dem Leben und Werk stets eng ver­bunden waren, in ein über­raschendes Licht.

Regie: Christoph Kühn, Schweiz 2011, 75 Min.
mit Friedrich Glauser, Berthe Bendel, Max Müller

Dialekt

Trailer zum Film